Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer überreicht Förderpreis gegen Jugend-arbeitslosigkeit
Der freundliche Maler: Karl Freundlinger aus Linz fördert benachteiligte Jugendliche
Begeisterung auf dem österreichischen Arbeitsmarkt: Die Wirtschaft boomt, der Laden brummt. Doch das positive Bild gerät ins Wanken, wenn es um Jugendliche geht, die schlechte Schulnoten haben, behindert sind oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen. Denn für sie bleiben die Türen trotz des Wirtschaftswachstums oft verschlossen. Anders bei Karl Freudlinger und seinem Team. Frei nach dem Motto „Lehrabschluss für alle“ bildet der „Freundliche Maler“ aus Linz in seinem Projekt „Chancenlehre“ benachteiligte Jugendliche aus. Ein Engagement, das heute gewürdigt wird: Oberösterreichs Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Schuhfilialist DEICHMANN zeichnen den Malereibetrieb „Der freundliche Maler“ als Landessieger des DEICHMANN-Förderpreises gegen Jugendarbeitslosigkeit in Oberösterreich aus. Europas größter Schuheinzelhändler honoriert bundesweit Initiativen von Unternehmen und Vereinen für schwer vermittelbare Jugendliche mit einem Preisgeld von insgesamt 40.000 Euro. Als Schirmherr engagiert sich Bundesminister Martin Bartenstein.
Linz, 20. September 2007. Die österreichische Wirtschaft wächst und der Arbeitsmarkt zeigt eine sehr positive Entwicklung. Schon bald werden gute Facharbeiter zu Mangelware werden, weshalb viele Unternehmen schon jetzt anfangen, eigene Spezialisten auszubilden. Dabei wählen Arbeitgeber ihre Lehrlinge mit dem Ziel aus, dass sie ihre Lehre eigenständig und mit guten Ergebnissen abschließen können, da sich kein Unternehmen die zusätzlichen Kosten für eine individuelle Betreuung leisten kann. Auf der Strecke bleiben benachteiligte und lernschwache Jugendliche, die einer intensiven Förderung bedürfen. Der Betrieb „Der freundliche Maler“ aus Linz hält dagegen: Das von der Landesregierung unterstützte Projekt „Chancenlehre“ bietet lernschwachen Schulabgängern die Möglichkeit einer erfolgreichen Ausbildung und generiert für das Unternehmen gleichzeitig neue Fachkräfte. Geschäftsführer Karl Freundlinger glaubt fest daran, dass nur Schulnoten allein nicht viel über das handwerkliche Potenzial eines Lehrlings aussagen.
Als Indiz nennt er die sozialen Kontakte und diversen Hobbys, die seine Schützlinge haben: „Wer in diesem Alter bereits über ein hohes Maß an sozialer Kompetenz verfügt, hat alle Aussichten, den Lehrabschluss zu schaffen. Man braucht nicht unbedingt eine Eins in Deutsch, um Erfolg im Beruf zu haben.“ Seit Gründung des Unternehmens 1977 wurden insgesamt über 140 Lehrlinge ausgebildet. Momentan beschäftigt „Der freundliche Maler“ 33 junge Menschen, von denen elf am Projekt „Chancenlehre“ teilnehmen. Interessenten haben immer wieder die Möglichkeit, sich an offenen Besuchstagen den Malereibetrieb anzuschauen.
Intensive Betreuung hilft aufzuschließen
Damit später auf dem Arbeitsmarkt Chancengleichheit zwischen den Projektteilnehmern und den regulären Lehrlingen herrscht, werden auch sie in ein duales Ausbildungssystem integriert. Karl Freundlinger achtet jedoch darauf, dass seine lernschwachen Schützlinge besonders gefördert werden. Deshalb pflegt er einen engen Kontakt zur Berufsschule, um Lernprobleme der Jugendlichen rechtzeitig erkennen zu können. Darüber hinaus engagierte er eine Lehrerin, die einmal pro Woche in den Betrieb kommt, um die Lehrlinge auf die Prüfungen vorzubereiten und das Gelernte zu intensivieren.
Und auch im praktischen Bereich der Ausbildung werden die benachteiligten Jugendlichen gut betreut. „Die Chancenlehrlinge dürfen in einer separaten Gruppe bleiben und werden von einem eigens für diese Ausbildung bereitgestellten Malermeister betreut. Er hat die Zeit, sich auf die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen zu konzentrieren“, erklärt Freundlinger. Außerdem dürfen die Jugendlichen immer wieder mit auf Baustellen und sich in der Praxis bewähren. Die Facharbeiter vor Ort sind angewiesen, die Lehrlinge zu integrieren und Freundlinger über die praktischen Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. „Wer sich hier behaupten kann, darf gegebenenfalls als Geselle weiterarbeiten. Die Anderen kommen zurück in die Lehrwerkstatt und absolvieren ein Intensivtraining.“ Die gute Leistung seiner Lehrlinge belohnt der freundliche Maler mit kleinen Aufmerksamkeiten wie Urkunden. Gleichzeitig sollen Sonderaktionen wie Challengeprojekte oder Familienfeste die Jugendlichen motivieren.
Auch andere Unternehmen sollen ausbilden
Sowohl Freundlinger und sein Team als auch die Lehrlinge selbst nehmen aus dem Projekt nur positive Erfahrungen mit. „Zusätzlich zu den regulären Lehrlingen werden wir weiterhin jährlich mindestens drei Jugendlichen mit Lernschwächen die Ausbildung ermöglichen, damit sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“, verspricht Freundlinger. Er wünscht sich auch, dass seine Erfahrungen dabei helfen werden, andere Unternehmen zu überzeugen, benachteiligte Jugendliche auszubilden.